Fragen des Lebens:

Die Themenreihe gibt die Meinung des Autors wider und bietet eine mögliche Antwort auf Fragen des Lebens, ohne Allgemeingültigkeit zu beanspruchen.

  • Folge 1: Worin liegt der Sinn des Lebens.Nach unten
  • Folge 2: Warum lässt Gott Leid zu? Nach unten
  • Folge 3: Was soll ich im Gottesdienst? Beten kann ich auch Zuhause! Nach unten
  • Folge 4: Sterben – von Gott bestimmt oder wann ich will ? Nach unten
  • Folge 5: Vorstellungen von Gott – muss Gott männlich sein? Nach unten
  • Folge 6: Schöpfung und Evolution – ein Widerspruch? Nach unten
  • Folge 7: Glaube an Gott – Hilfe oder Last?   Nach unten
  • Folge 8: Haben Tiere eine Seele ? Nach unten
    Folge 9: Was kommt nach dem Tod? Nach unten
    Folge 10: Was sind Engel?  Nach unten



    Mit dem Monat Januar beginnt nicht nur ein neues Jahr, sondern auch eine neue Serie im Monatsgruß. Verschiedene Autoren werden sich alltäglichen, aber doch tiefsinnigen Fragen des Lebens stellen und versuchen darauf, eine subjektive Antwort zu geben. Natürlich kann daraus keine absolute Wahrheit geerntet werden, sondern es soll viel mehr ein Prozess des Weiterdenkens in Gang gebracht werden, da man in sich kehren kann und vergleichen, inwieweit man mit der niedergeschriebenen Meinung überstimmt.
    Der Philosoph Sokrates hat eine Bahn brechende Methode entwickelt: Er wollte durch bewusstes Befragen die Menschen zur Erkenntnis der Unkenntnis bringen. Nicht wie die Sophisten vor ihm, die meinten, sie wüssten bereits alles. Diese Bescheidenheit und Weisheitsliebe wollen wir mit unserer Serie fortsetzen. Wir wollen Sie in Verwunderung versetzen und in neue Dimensionen des Seins vordringen lassen. Der philosophische Roman “Sofies Welt“ mahnt uns nämlich, die Dinge und die Welt nicht als etwas allzu Gewöhnliches zu sehen, sondern aus unserem “Fell“ herauszuschlüpfen und neu das Staunen zu lernen.
    Das möchte auch unsere Serie tun. Wir werden uns als Auftakt mit der Sinnfrage beschäftigen, später wollen wir uns auch theologischen Fragestellungen widmen. Wir werden herausfinden, was wir beim Abendmahl essen. Wir fragen uns, was genau Auferstehung bedeutet. Außerdem gehen wir der Frage nach, ob Evolution und Schöpfung zwingend ein Widerspruch bedeuten muss.
    Neben den theologischen Aspekten soll aber ferner Stellung zu ethischen Fragestellungen bezogen werden. Beispielsweise soll es um die Frage gehen, was der Einzelne für die Gesellschaft tun soll. Wir überlegen auch, ob Sterbehilfe christlich ist und gehen der Problematik der Abtreibung nach.
    Es werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht alle Lebensbereiche erfasst werden können, aber sicherlich einige wichtige. Notfalls gibt es noch ein Jahr, in dem man die Serie vielleicht fortsetzen kann.
    Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Nachdenken und Reflektieren.
    “Prüft aber alles, und das Gute behaltet.“ (1. Thess 5,21)

Nach obenSebastian Balcerowski


 
Folge 1: Worin liegt der Sinn des Lebens

"Den Sinn des Lebens gibt es nicht. Wer nach dem Sinn des Lebens fragt, ist krank“, propagierte der Psychoanalytiker Sigmund Freud.
Sollte er wirklich Recht haben? Ist es nicht eher umgekehrt, wer ohne Sinn lebt, wird krank? Was ist der Sinn? Diese Frage soll die Eröffnung unserer neuen SerieKreuz-Schnee-k sein.
Die moderne Glücksforschung geht davon aus, dass Sinn auf jeden Fall zu einem glücklichen Leben gehören muss.
Gewiss gibt es dabei unterschiedliche Dimensionen. Manchen Menschen scheint es schon zu genügen, viel Geld zu verdienen. Damit bleibt die Sinnantwort jedoch nur punktuell und nicht ganzheitlich erfasst.
Mit dem Beginn der Passionszeit stellt Jesus an uns die Forderung nach Umkehr. Vielleicht können wir deshalb in uns blicken und dort die tiefen Sehnsüchte nach einem erfüllten Leben wecken.
Es gibt in Religion und Philosophie die unterschiedlichsten Ausprägungen und Denkansätze, die uns helfen können. Der Buddhismus beispielsweise sieht richtiges Leben darin, wenn man Leid überwindet, indem man von den materiellen Bedürfnissen hin zum Bedürfnis an der Teilhabe der Weltseele kommt. Aristoteles sieht im tugendhaften Leben das non plus ultra. Tugendhaft bedeutet wiederum, das Mittelmaß zwischen zwei Extremen zu haben, also zum Beispiel tapfer statt feige oder tollkühn zu sein.
Sonnenuntergang-kDer Logotherapeut Frankl hat sich mit dem Sinn ausführlich beschäftigt, sodass er zu einer dreigleisigen Erkenntnis gekommen ist: Zum einen ist Sinn immer dann, wenn ich etwas Schönes erlebe, zum anderen, wenn ich selbst schöpferisch tätig bin, sei es im Beruf oder als Hobby. Drittens ist Sinn auch dann gegeben, wenn ich eine Einstellung oder Meinung habe, die ich vertrete. Seine extreme Erfahrung des Konzentrationslagers ließ ihn damit überleben. Sinn ist letztlich aktiv sein und nachdenken. Wir dürfen nicht Äpfel oder Birnen ablehnen, wenn wir Obst wollen.
Für uns Christen kann der Glaube an Jesus maßgeblich für ein sinnerfülltes Leben sein. Oder auch die Hoffnung auf die Auferstehung oder eben die Liebe zu Gott, uns selbst und zu anderen Menschen. Das sind die drei göttlichen Tugenden.
Den Rest müssen Sie dann individuell herausfinden. "Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt.“ (Röm 8,27).

Sebastian Balcerowski
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Folge 2: Warum lässt Gott Leid zu?

Entweder kann Gott das Leid nicht beseitigen, dann ist er nicht allmächtig. Oder er will es nicht beseitigen, dann ist er nicht gut. - So lautet zusammengefasst das Problem der Theodizee, der "göttlichen Gerechtigkeit", wie es Laktanz, Schriftsteller und Verteidiger des Christentums gegen die heidnisch-philosophische Kritik, beschrieb.Hiobjpg
An der Theodizeefrage scheiden sich die Geister: Manche Menschen verlieren den Glauben an Gott, weil ihnen ein persönlicher Schicksalsschlag widerfahren ist. Atheisten verneinen die Existenz Gottes oft aufgrund der Schlechtigkeit der Welt. Das biblische Gegenbild dazu ist Hiob. Hiob hält auch in Leid und Elend an Gott fest.
Obwohl teilweise die Meinung vertreten wird, dass das Problem der Theodizee nicht lösbar ist, haben sich immer wieder Philosophen und Kirchenleute daran versucht.
Die Kirchenväter Augustin und Thomas von Aquin haben die These vertreten, dass das Böse der Mangel am Guten ist und somit keine selbstständige Existenz hat. Das Nichtvorhandensein des Guten schafft Platz für das Böse. Leibniz meint, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben, die Gott schaffen konnte. Unsere Welt ist die Welt, in der das Böse den geringsten Platz einnimmt. Es wird auch das Argument angeführt, dass Gott den Sinn des Leides kennt, der Mensch diesen Sinn aber nicht erkennen kann. All diese Argumente relativieren das Böse selbst.
Aber auch die Güte Gottes wird dort relativiert, wo eine Problemlösung versucht wird. Der "liebe Gott" ist ein recht neues Gottesbild. Der biblische Gott kann durchaus alles andere als lieb sein. Luther nennt den zornigen Gott den "verborgenen Gott". Unser Vertrauen und unsere Hoffnung sollen wir aber auf den gütigen, den "offenbarten Gott" setzen, meint Luther. Ein weiterer Aspekt der Relativierung der göttlichen Güte ist die Ansicht, Gott strafe mit dem Übel die Menschen für ihre Sünden. Dagegen wendet sich in der Bibel die Figur Hiob leidenschaftlich. Er besteht darauf, dass ihn sein Leid unverschuldet getroffen hat. Die Bibel kennt beides, verschuldetes und unverschuldetes Leid.
Gottes Allmächtigkeit wird durch die Annahme relativiert, Gott habe dem Menschen die Freiheit geschenkt, und damit auch die Möglichkeit, gut oder schlecht zu handeln. Der Deismus vertritt die Ansicht, Gott habe die Welt geschaffen und sie dann sich selbst überlassen.
Interessant ist, dass die Theodizeefrage gerade dort nicht gestellt wird, wo das Leid allgegenwärtig ist. So sah man lange Zeit beim Tod eines Kindes keinen Anlass zu der Frage, wie Gott so etwas zulassen konnte. Im 19. Jahrhundert dagegen, als die Kindersterblichkeit zurückging, wurde der Tod eines Kindes geradezu zum Symbol für überflüssiges und unverschuldetes Leid und zu einem Grund, Gott anzuklagen.
Und noch etwas: Wir Christen dürfen Gott anklagen. Hiob hat das auch getan. Er hielt an Gott fest und klagte dennoch über das Leid, das ihm widerfahren war. Das kann ein Trost sein für alle Leidenden: Wir müssen das Schlechte nicht in etwas Gutes “uminterpretieren", sondern dürfen es so nennen, wie es ist: schlecht, böse, und - hoffentlich - ein Übergang.

Nach obenJulia Rothe

Folge 3: Was soll ich im Gottesdienst? Beten kann ich auch Zuhause!

Die evangelische Kirche hat sich in ihrem Impulspapier "Kirche der Freiheit" als Ziel gesetzt, gegen den Trend zu wachsen und unter anderem die Gottesdienstbesucherquote auf 10 % zu erhöhen. Wir haben vielleicht starre Bilder von Gottesdiensten, erinnern uns an die Langeweile, die wir als Konfirmanden mitunter in ihnen empfunden haben. Aber gibt es nicht doch einige Elemente, die fürSOS-1 einen Gottesdienstbesuch sprechen?
Das eben aufgestellte Klischee der Langeweile, so muss zuallererst gesagt werden, entspricht nicht immer der Realität. Es gibt im Gottesdienst heute eine Vielfalt, die alle Sinne ansprechen kann. Zum Beispiel haben wir die SOS-Gottesdienste des CVJM für Jugendliche, oder auch spezielle Andachten, zum Beispiel in der Passionszeit. Außerdem gibt es jeden Monat den "Jungen Gottesdienst" für Kinder.
Zum einen kann man natürlich sagen, "Beten kann ich daheim auch!", aber die Frage, ob ich es dann auch wirklich tue, schließt sich gleich darauf an. Zum anderen besteht bei diesem Vorgehen immer die Gefahr, dass ich mir meinen Gott so zusammenbaue, wie es mir gerade passt, dass ich also unabhängig von der eigentlichen christlichen Lehre sein will. "Hier wird dann Erfahrung absolut gesetzt und zu einer Dogmatik erhoben, die keinen Widerspruch duldet" (Anselm Grün). Denn im Gottesdienst hätte ich die Möglichkeit, über meinen eigenen Glauben zu reflektieren. Gerade durch die Predigt kann ich mir wichtige Anregungen holen, mein Gottesbild überprüfen und erfahren, was es ethisch heißt, Christ zu sein.
Gottesdienst bietet außerdem immer die Möglichkeit der Gemeinschaft. Früher war er die Plattform für den wöchentlichen Informationsaustausch, auch heute können wir zum Beispiel durch den "Kirchen-Kaffee" miteinander ins Gespräch kommen. Wir finden vielleicht Menschen, die ebenso auf der Suche sind, nach Gott, nach Sinn, Glück und Liebe.
Die Feier für Christus kann uns außerdem musikalisch anregen. Durch das Hören der Orgel und das Singen der Lieder, können wir eine Befreiung erleben, die uns fröhlich stimmen und Gott loben lässt. Wann tue ich das schon in meinen Alltag?
Wenn wir am Sonntag in die Kirche gehen, dann ist das für uns außerdem Unterbrechung, damit der Mensch nicht zerbricht, wie es unser Pfarrer Götz einmal gepredigt hat. Wir können in eine spirituelle Welt eintauchen, die unsere tiefe Sehnsucht nach dem Transzendenten stillen kann. Wir müssen nicht an Leistung denken, an Arbeit, sondern wir dürfen uns in die Hände Gottes fallen lassen.
Das ist Angebot, keine Pflicht. Aber wenn wir uns darauf einlassen wollen, kann es uns lebendige Quelle von Kraft sein, ein Weg zum Heil in Jesus.

Sebastian Balcerowski
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Folge 4: Sterben – von Gott bestimmt oder wann ich will ?

SterbenIn den Nürnberger Nachrichten war neulich ein Artikel über einen Hamburger Senator zu lesen, der eine Selbsttötungsmaschine zur Verfügung stellen möchte. Schon seit einiger Zeit gibt es auch in Deutschland immer wieder Vorstöße in Richtung eines organisierten Suizids.
Die Geschichte des Umgangs mit der Selbstbestimmung des Lebensendes ist sehr wechselhaft. In der Antike galt es als ehrenhaft, wie die Beispiele von Kleopatra oder Sokrates zeigen. Auch der Ehrenkodex ganzer Völker (Japan) oder Gruppen (Falung-Gong-Sekte) verpflichtet zum Suizid.
Blickt man in die Bibel, findet man nur indirekte Hinweise: Simson tötet sich und seine Gegner. Dies wird als Heldentat bezeichnet. König Saul tötet sich in einer ausweglosen Situation und wird posthum geehrt. Aber hier wird nicht der Suizid an sich thematisiert. Und selbst bei Judas wird der Suizid nur an einer Stelle benannt, während die Parallele dazu schweigt.
Die Christen sahen in der Selbsttötung einen grundlegenden Verstoß gegen die Lebensbestimmung durch Gott und haben im Mittelalter Suizidanten nicht einmal in geweihter Erde beigesetzt. Das haben wir jedoch hinter uns. Heute wissen wir, dass die Hinterbliebenen unsere besondere Aufmerksamkeit benötigen.
Doch Vorbehalte sind geblieben. Der Suizid ist immer noch ein gesellschaftlicher Makel und wird tabuisiert. Betroffene Familien spüren nicht selten Vorbehalte oder unausgesprochene Schuldvorwürfe. Deshalb sollte das Thema nicht totgeschwiegen werden. Aber kann es ein Weg sein, die Organisation und öffentliche Propagierung  anzustreben?
Es ist schwierig, Leid und Schmerzen auszuhalten und der Wunsch nach einer Beendigung der Lebens ist auch für mich mitunter gut nachvollziehbar. Doch sind die Zahlen schon erschreckend: In Deutschland sterben jedes Jahr mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle. Die Gründe sind dabei sehr vielfältig – aber es ist ein steigender Anteil älterer Menschen darunter.
Ich denke, dass dies eine Entwicklung ist, die uns aufhorchen lassen sollte. Nicht als moralische Apostel, sondern als aufmerksame Begleiter des gesellschaftlichen Lebens
Es ist wichtig, Menschen in schwierigen Lebensphasen und Krisen kompetent zu begleiten, Leid mit auszuhalten und nicht abzuschieben. Es ist unabdingbar, alles dafür zu tun, dass niemand unnötig Schmerzen leiden muss.
Nur wenn wir uns mit dem Leid und der letzten Phase des Lebens auseinandersetzen, werden wir eine vernünftige Alternative zu den Phantasien von einem humanerem Lebensende entwickeln können. Ansonsten sehe ich die Gefahr darin, dass der Schritt von der Ermöglichung der selbstbestimmten Lebensbeendigung bis zur Erwartung derselben ab einem bestimmten Alter oder Krankheitsbild nur ein kleiner ist. Wem immer wieder gesagt wird, dass sein Tod für alle besser ist, der wird dem irgendwann nachgeben. So weit darf es aber nicht nur aus christlicher Sicht niemals kommen.

Nach obenUdo Götz 

  

Folge 5: Vorstellungen von Gott – muss Gott männlich sein?

Nein, natürlich ist Gott kein Mann! Ist er eine Frau? Nein! Auch das nicht. Er ist beides und vieles mehr. Spielt das denn eine Rolle? Hm, nein, würde ich sagen, aber trotzdem wird immer wie-der darüber gestritten. Es wird so heftig über dieses Thema gestritten, dass es vielleicht doch auch heute noch eine Rolle spielt?
 Gott ist doch aber der Vater? Jesus nennt ihn doch so? Schon, aber gerade, wenn wir in der Zeitung lesen, was mancher Vater seiner Tochter antut (Amstetten), darf es uns nicht verwundern, dass Menschen am väterlichen, männlichen Gott verzweifeln.
Gott - Vater, Gott - Herrscher, Gott - König, Gott - Richter, Gott – Herr ... Es ist richtig, dass die Bibel uns männliche Bilder von Gott präsentiert, kriegerische und gewalttätige eingeschlossen. In der Kirchengeschichte wurde diese Tradition verstärkt und fortgeführt, mit fatalen Folgen für uns Frauen.
Überwiegend Männer waren es, die ihre religiösen Erfahrungen und Geschichten in der Bibel verewigten. Es spiegeln sich darin die männlich dominierten sozialen Verhältnisse ihrer Zeit, andererseits die Bestrebungen der jüdischen Religion, sich gegen die heidnischen Fruchtbarkeitskulte Kanaans abzugrenzen. Und die christliche Kirche hat diese Tradition lange fortgeführt und die Minderwertigkeit der Frau damit untermauert: Gott ist männlich. Jesus war ein Mann. Die Jünger waren Männer. Konsequenz: Frauen wurde eine untergeordnete Rolle zugewiesen.
Gott wie Ich erinnere mich an meine Mutter, die als Pfarrfrau (sie durfte noch nicht Theologie studieren) mir mit den Tränen in den Augen erzählte, als ich in der 6. Klasse war: Jetzt dürfen auch Frauen endlich Pfarrerinnen werden!
Die feministische Theologie in den 1970/80er Jahren hat den Finger in die Wunde der männlichen Kirchengeschichte und Theologie gelegt. Wir Frauen in der Kirche verdanken ihr viel. Intensiv hat sie sich auch mit diesem Thema beschäftigt und u.a. die weiblichen Aspekte Gottes in der Bibel herausgearbeitet. Also. Wie und was ist Gott denn jetzt?
 Ein alter Witz, den ich immer noch liebe, konkretisiert das, was ich denke: Zwei Theologieprofessoren verabreden, dass derjenige, der zuerst stirbt, dem anderen eine Botschaft aus dem Jenseits zukommen lässt, wie Gott denn sei. Und als dieser Fall eintritt, erhält der noch Lebende im Traum die Nachricht: She´s black!
 Nein, ich glaube nicht, dass Gott eine schwarze Frau ist, sondern: Gott ist einfach ganz anders, jenseits unseres menschlichen Fassungsvermögens. Aber wenn wir von ihm sprechen wollen, müssen wir zu Bildern und Vergleichen greifen, sonst sind wir sprachlos angesichts Gottes.
 In der biblischen Tradition entdecken wir viele, weibliche, männliche, aber auch Bilder aus der Natur (Gott=Licht,Quelle). Ich denke, jeder Mensch sollte Bilder verwenden, die ihm gut tun und ihm entsprechen. Und jeder sollte dem anderen die eigene Gottesvorstellung lassen, denn sie ist eine Art Zuhause, seine persönliche Heimat bei Gott.
 Für mich selber jedenfalls war diese Erkenntnis im Theologiestudium eine große Befreiung. Daraus ist ein völlig neues Gottesverständnis gewachsen, das mir als Frau einen Platz in der Kirche erst ermöglicht hat. Gott ist kein Mann! Und ich liebe Gott in den Bildern besonders, die ihn mit weiblichen Eigenschaften beschreiben: Gott ist wie eine gebärende Frau (Jesaja 42). Gott ist wie eine Hebamme (Psalm 22). Gott ist wie eine Mutter (Hosea 11). Gott ist die Weisheit (Sprüche 1).
 Gott schuf den Menschen sich zum Bilde, und schuf sie als Mann und Frau. Das heißt: Frau und Mann sind Ebenbilder Gottes und das bedeutet: Umgekehrt kann Gott in weiblichen und männlichen Bildern sichtbar und erfahrbar sein.

C Lehner-ErdmannNach oben

 

Folge 6: Schöpfung und Evolution – ein Widerspruch?

Zurzeit schwappt eine Debatte aus den USA auch nach Deutschland: Die Rede ist vom Kreationismus oder “Intelligent Design“. Diese wissenschaftlich anmutenden Bewegungen stellen die Schöpfung der Bibel als Alternative zur Evolutionstheorie von Charles Darwin dar. An manchen amerikanischen Schulen wird das bereits  so gelehrt. Das “Intelligent Design“ argumentiert, dass hinter den hochkomplexen Strukturen von Leben eine höhere Intelligenz liegen muss, die sich diese Pläne ausgedacht hat. Dagegen halten kann man aber z.B., dass der Mensch gerade einmal über sechsmal so viele Gene wie ein Bakterium verfügt.
Doch müssen sich der Schöpfungsgedanke und Evolution überhaupt widersprechen? Zunächst muss man wissen, dass die Bibel über zwei Schöpfungsberichte verfügt: Zum einen, wie die Welt in sieben Tagen entstanden sei (Gen 1 – 2,4), zum anderen die Paradiesgeschichte (Gen 2,5ff.). Beide Erzählungen wollen nicht wissenschaftlich sein, sondern aus ihrem jeweiligen Entstehungshintergrund erklären, in welcher Beziehung Gott zur Welt und zum Menschen steht und was wir für Gott sind, nämlich sein Ebenbild.
Gottes Schöpfung beantwortet also die vertikale Ebene: warum und wozu der Mensch da ist. Die Evolutionstheorie nach Darwin dagegen geht in die Breite und möchte die einzelnen Schritte dieser Entwicklung darlegen.
Wenn wir uns einen Zylinder vorstellen so besteht dieser aus einer Kreisfläche und einer Mantelfläche. Beides ist notwendig und existiert unabhängig voneinander, doch sind sie gleichzeitig Bestandteil derselben Sache. Es gilt also weder die Augen vor den vielen Hinweisen (z.B. Fossile von ausgestorbenen Brückentieren) einer stattgefundenen Evolution zu verschließen, noch wörtlich am Text der Bibel verharren, denn weder die Theologie noch die Naturwissenschaft können einen Absolutheitsanspruch erheben.
Für uns Christen ist es wichtig zu realisieren, dass Gott mit unserer Welt verbunden und dass jeder einzelne Mensch ein von ihm geliebtes und gewolltes Geschöpf ist, das dazu berufen ist, die Schöpfung zu bewahren.
Weil Gott als allmächtiges Wesen nur ein Produkt erschaffen kann, das nicht vollkommen ist, können wir von einer “creatio continua“ sprechen, also von einer immer noch andauernden Schöpfung.
Vielleicht können wir Menschen diese noch mit vollenden: In der Vergebung, im liebenden Kontakt oder im Einsatz für Verfolgte und Hungernde. Denn das ist das wahre christliche Zeugnis und nicht fundamentalistische Strömungen, welche die Augen vor der Wirklichkeit verschließen.

Nach obenSebastian Balcerowski

Folge 7: Glaube an Gott – Hilfe oder Last?

Viele von uns werden sich nun auf die Urlaubszeit freuen, auf die Freiheit, einmal nichts tun zu müssen, kein Termindruck, nur Zeit für uns und die Familie. Brauchen wir auch vom Glauben eine Pause? Anders gefragt: Ist der Glaube an Gott eine Befreiung oder eine weitere Pflicht, die uns einengt?
Auch Dietrich Bonhoeffer hat sich mit dieser Frage ausführlich beschäftigt. In seinem Werk "Nachfolge" stellt er unter anderem fest, dass Glaube beides sein kann, aber "in der Nachfolge Jesu kommen die Menschen aus dem harten Joch ihrer eigenen Gesetze unter das sanfte Joch Jesu Christi", das heißt Glaube und die resultierende Erfüllung von Geboten ist ein Angebot von Gott für ein gelingendes Leben. Wer Jesus nachfolgt, beginnt ein neues Leben, indem er Gott einen Platz im Herzen gibt.
Martin Luther schreibt im kleinen Katechismus, dass man Glaube nicht durch Eifer erlangen kann, sondern dass er allein eine Gabe des heiligen Geistes ist. Um aber diese zu empfangen, müssen wir unsere Sinne öffnen und dem Ruf Gottes zum Beispiel durch unser Gewissen Folge leisten.
Trotzdem bleibt es schwer, wissenschaftliche Belege dafür zu finden, dass Glaube wirklich helfen kann. In einem Experiment, in dem für Kranke gebetet wurde, stellte sich keine signifikante Besserung ihres Leidens ein, aber für den Einzelnen kann die Hinwendung zu Gott positiv sein, denn "wer betet, kennt sich selbst nicht mehr, sondern nur noch Gott", schreibt Bonhoeffer weiter in "Nachfolge".
Wo Jesus der Mittelpunkt meines Lebens ist, haben andere Götzen keinen Platz mehr. Zum Beispiel lässt sich laut "Psychologie Heute" belegen, dass religiöse Jugendliche weniger anfällig sind für Drogen.
Ob Glaube eine Hilfe für mein Leben ist, hängt aber auch von meinem Gottesbild ab. Ein strenger Gott, der nicht liebt, ist wohl eher eine Belastung. Aber ein Gott der sagt: "Du musst nicht zuerst anders werden, damit ich dich annehmen kann, sondern weil ich dich annehme, kannst du anders werden" (nach Klaus Hemmerle), ist gnädig, in dem Wissen, dass der Mensch nicht durch gute Werke gerecht wird, sondern durch den Glauben an Gott, der mir meine Sünden vergibt. Ein solcher Glaube ist eine Erquickung, wie es Jesus selbst gesagt hat (vgl. Mt 11,28).
Ich wünsche uns allen, die Urlaubszeit auch als Besinnung zu nutzen und den Glauben an Gott als Geschenk für ein sinnerfülltes Leben zu betrachten.

Nach obenSebastian Balcerowski

Folge 8: Haben Tiere eine Seele?

Als im Frühjahr dieses Jahres der Hund meiner Eltern an Altersschwäche verstarb, war es für alle klar, dass er einen Platz in unserem Garten erhalten sollte. Katze
In den letzten Jahren ist immer mehr der Wunsch geäußert worden, den Tieren, die oft eine lange Lebenszeit Begleiter waren, auch nach dem Tod einen würdigen Platz zu schaffen. Tierfriedhöfe gibt es mittlerweile an vielen Orten. Und manchmal fragen Kinder, was mit den Tieren denn nun geschieht. Haben sie gar eine Seele und wartet auf sie ein ewiges Leben, wie auf uns Menschen?
Die menschliche Seele ist nach biblischer Bedeutung ein Kontaktorgan zu Gott. Das unterscheidet ihn von der restlichen Schöpfung - auch von den Tieren. Bereits für Theologen wie Augustin oder Thomas von Aquin war klar, dass allein der Mensch eine unsterbliche Seele besitzt. Tiere seien nicht für die Ewigkeit geschaffen.
Diese Haltung herrscht in der heutigen Theologie immer noch vor. Andererseits wird dem entgegengehalten, dass am Ende der Zeiten die ganze Schöpfung verwandelt werden soll – also auch die Tiere. Offen bleibt, wie man sich das vorstellen soll.
Aber wie dem auch sei: Für uns Christen sind Tiere keine beliebige HuhnSache. Nach dem biblischen Schöpfungsbericht sind sie zwar als Opfertiere und Nahrungsquelle unserer Verfügungsgewalt unterstellt, aber immer fürsorglich und bewahrend. Und so haben unter anderem evangelische Theologen wie Christian Adam Dann (1758-1837) eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der deutschen Tierschutzbewegung gespielt. Doch selbst sie waren nicht grundsätzlich dagegen, Tiere zu schlachten.
So ist es Christen also in erster Linie aufgegeben, respektvoll mit Tieren umzugehen. Dazu gehört auch das Kümmern um Tierzucht und Tierhaltung. Und unter Umständen sogar der Umgang mit ihnen nach dem Tod.

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Folge 9: Was kommt nach dem Tod?

Großmutter ist tot und die kleine Enkelin fragt: “Wo ist sie denn jetzt? Kann sie uns sehen? ...“Engel1 Fragen, die nicht einfach mal eben so beantwortet werden können.
Fragen, die manchen überfordern. Was glaube ich eigentlich so?
Der Tod passiert - aber immer nur anderen. Und wenn ich ihm begegne, dann macht er mich sprachlos. Die Vertröstung der Kirchen auf ein Leben nach dem Tod hilft nicht weiter. Wer kann mir das schon beweisen? Und wie soll ich mir das auch vorstellen? Alle bisher Verstorbenen an einem Ort? Und sie warten auf uns? Tausend Jahre sind wie ein Tag? Das ist ja alles völlig unlogisch! Am ehesten glauben Menschen noch an die Wiedergeburt. Das kann man sich noch irgendwie vorstellen. Oder an die Aussage des Materialismus: “Mit dem Tod ist alles aus.“Himmelfahrt
Die Auferstehung ist eine Zumutung an unsere Vernunft. Religionskritiker werfen der Kirche auch heute noch vor, die Menschen nur zu belügen und so ruhig zu stellen. Doch die Bibel verschweigt weder den Tod noch verklärt sie ihn. Er gehört zum Leben einfach dazu. Und er wird auch beklagt, wenn er zur Unzeit kommt.
Darüber hinaus gibt es aber die Hoffnung, dass Gott einen nicht alleine lässt, auch nicht im Tod. Und sie findet den stärksten Ausdruck in der Auferstehung von Jesus Christus.
Doch auch diese wurde nie durch Beweise zementiert sondern basiert seit den ersten Tagen auf dem Vertrauen in die Zusagen Gottes. Und das will gewagt sein.
Und zur Wiedergeburt: Sie ist in ihren Religionen eigentlich eine Strafe und dient zur Bewährung auf dem Weg zur Erlösung. Da haben wir Christen es deutlich besser. Ich jedenfalls glaube fest daran, dass Gott, der alles - auch die Zeit – angelegt hat, uns eines Tages aus dieser herausruft. Die neue Existenz übersteigt alle unsere Vorstellungen. Aber es wird gut sein. Ich weiß nicht warum – aber Gewissheit ist tief in mir drin.

Nach obenUdo Götz

Folge 10: Was sind Engel?

Dich “schickt ein Engel!", rief Frau Schmidt, als sie sich nach Tagen Einsamkeit über einen überraschenden Besuch Ihres Neffen freute. “hast du aber einen Schutzengel gehabt!", sagte Frau Müller zu ihrem Sohn, der einen Autounfall nahezu unverletzt überstanden hat.
Wenn wir am 24. Dezember die Weihnachtsgeschichte hören werden, wird auch wieder ein Engel vorkommen, nämlich Gabriel. Engel
Begegnungen mit Engeln in der Bibel sind immer etwas, was Menschen komplett verändern kann. So ist zum Beispiel der Prophet Elia auch von einem Engel zu Essen und Weitergehen – “… sonst ist der Weg zu weit für dich" – aufgefordert worden.
Hören oder lesen wir über solche Begegnungen mit den Himmelswesen, dann ist die Gefahr groß, dass wir an einer mittelalterlichen Vorstellung, von der Pfarrerin Schnupp im Rahmen ihrer Doktorarbeit warnt, festhalten. Wie könnten also moderne Engel heute aussehen? Oder anders gefragt: Gibt es heute überhaupt noch Engel?
Anselm Grün mahnt an, dass wir unsere Sinne für Gott verschließen, denn oft merken wir nicht, dass Engel in Personen vorkommen können, die uns den rechten Weg weisen, die uns aufrütteln oder einfach nur eine Hand halten, wenn uns gerade mehr nach Sterben als zu leben zumute ist.
Ich glaube nicht, dass wir Engel finden, wenn wir 100 Lichter auf das Dach aufstellen oder 100 Geschenke zu Freude des Einzelhandels kaufen. Engel sind oft in der Stille da. Im Schweigen, in der nonverbalen Kommunikation.
Manche Personen behaupten auch, sie würden in engem Kontakt zu Engeln stehen und könnten diese – nach entsprechender Entgeltzahlung – auch für andere aufspüren.
Vielleicht wäre es aber besser die Weihnachtsfeiertage zu nutzen, um uns ganz in unser Inneres zu begeben, dass wir es schaffen, unsere eigene Leere, die wir manchmal spüren, auszuhalten. “können, das wäre fast schon wieder Glück", dichtet Erich Fried. Vielleicht entdecken wir auch so wieder die Sehnsucht nach Gott in uns, nach Ganzheitlichkeit und spiritueller Geborgenheit.
Ich wünsche uns deshalb viele kleine Engelsgesten um die Feiertage, auch wir können Engel sein, wenn wir einen Streit vergessen, einem Peiniger vergeben oder einfach das echte Leuchten von Jesus Christus nicht mit dem Leuchten der Geschäfte verwechseln.

Sebastian Balcerowski