Monatsspruch Dezember

Und als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.

(Mattäus 2,10)

 Fünf Engel, drei Hirten, drei Könige, Maria und Josef. Jetzt waren alle Rollen für das Krippenspiel beisammen – fast alle. „Und wer macht den Stern?" Keiner will der Stern sein. „Der Stern ist langweilig. Der macht ja gar niKrippe-4chts. Der steht ja einfach nur immer so da!"
 Nur -ohne den Stern hätten die drei Weisen den neuen König nie gefunden. Sie suchten ihn in den erlesenen Kreisen der geschäftigen Hauptstadt, und verloren dabei den Stern aus den Augen. Erst als sie mit ihrem Wissen und ihren Berechnungen am Ende sind und sich ratlos umschauen, sehen sie ihn wieder: den Stern. Und lassen sich Führen.
 Der Stern steht einfach immer nur so da. Und auch die drei Könige stehen einfach nur so da, als sie dem Kind gegenübertreten in dem ärmlichen Haus in Bethlehem. Sie stehen einfach nur da. Als Menschen. Sie werden nicht gefragt nach ihrer Herkunft, nach ihrer Religion oder ihrer Stellung. Sie sind willkommen und angesehen als die, die sie im innersten sind. Sie fühlen sich erkannt. Und geliebt. Darum fallen sie auf die Knie und beten an und geben, was sie haben. Und sind hocherfreut.
 Wer zur Krippe kommt, muss keine Hauptrolle spielen. Und sich auch nicht kleiner machen als er ist. Wer zur Krippe kommt muss nicht jubilieren können, wie die Engel, und gebildet sein wie die Weisen. Wer zur Krippe kommt, darf einfach nur dastehen. Als Mensch, angesehen, willkommen und geliebt. Und wird dann seinen Weg weitergehen. Verändert. Vielleicht sogar selber leuchtend, wie ein Stern, für andere.

Silvia Henzler