auf ein Wort

April 2019

Liebe Gemeinde,

    letzten Sommer waren sie plötzlich alle verschwunden. Eine heimtückische Krankheit hatte sie einfach dahingerafft, in der ganzen Region: Die Amseln.Hase
    Kein heimliches Rascheln mehr im trockenen Laub unter der Hecke. Kein entrüstetes Keckern, wenn ich bei meinem Streifzug durch den Garten ihrem Sitzplatz zu nahe komme. Die Nester in der Holzlege im Schuppen und im Efeu an der Mauer sind verlassen.
    Als die Herbstwinde die Blätter von den Bäumen wehten und die ersten Flocken fielen, besuchte keine einzige Amsel das Futterhaus. Totenstille.
   Wie kann es denn einen neuen Frühling geben, ohne Amsellied? Sie ist der Vogel , der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist, wenn noch Eis die Tränke überzieht und die Osterglocken unter der Erdendecke noch nachdenken, ob es denn schon so weit ist. Darauf warte ich jedes Jahr voller Sehnsucht. Wie auf den Ostermorgen.
   Und da sitzt sie jetzt, im Morgengrau vor meinem Fenster und singt. Erst zaghaft, dann jeden Tag immer kräftiger. Und nebendran sitzt die Amselfrau und hört verzückt zu. Wie ich. Das Leben hat gesiegt! Diese eine Amsel ist mein Osterwunder.

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen Ihre PfarrerinSilvia Henzler